Daoismus heute - Der Weg des Daoismus zu uns

Heutige Beliebtheit des Taoismus

Der Taoismus hat in den letzten 100 Jahren auch im Abendland Raum gegriffen. Taoismus ist mittlerweile ein häufiges Thema der in Deutschland veröffentlichten Sachbücher - zu finden in den Regalen Esoterik, Lebenshilfe, Gebrauchsgegenstand-Reparatur.

Wie kommt es zu dieser breiten Massen-Beliebtheit? Es liegt daran, dass es für den Taoismus keine Regeln, Gesetze, Gebote, Pflichten gibt; weil der Taoismus so herrlich vage ist, dass man, von nicht allzu großem Wissen belastet, nahezu Alles und Jedes darunter subsummieren kann; weil niemand eine exklusive Lizenz oder das Markenrecht für "Tao" hat, vom Tao auserwählt wurde oder der Stellvertreter des Tao ist und weil es niemanden interessiert - kein Dschihad, keine Kreuzzüge, egal was für einen Schwachsinn man über das Tao erzählt. Eigentlich eine nette Sache, doch zieht es professionelle Schwätzer und der Eigenverantwortlichkeit überdrüssige Spiritualitäts-Konsumenten an.

Tao gleich "Gott"?

Zudem wurde für einen auf- und abgeklärten Christen der Einstieg besonders einfach gemacht. Seit die Jesuiten im 17. Jahrhundert auf die Idee kamen, dass man "Tao" korrekterweise eigentlich nur mit "Gott" übersetzen könne, ist dieser Irrweg von abendländischen Füßen bis zur absoluten Unerkennbarkeit und Bedeutungslosigkeit breitgetreten worden.

Glücklicherweise waren und sind der alchimistische und religiöse Taoismus viel interessanter für den kontemporären westlichen Sucher wie ehedem für den fernöstlichen Staatslenker. Und so ist das Werk des Dschuang Dsi (Zhuangzi) in ungewöhnlich gutem Zustand erhalten geblieben. Im Rahmen unseres "Herbstfluten-Wikis" gehen wir deswegen konkret auf das Werk Dschuang Dsi (Zhuangzi) und dessen Übersetzungen ein.

"Das wahre Buch vom südlichen Blütenland" (Nan Hua Zhen Jing) - Übersetzungen und Auslegungen

Mit großem Sach- und Menschenverstand übersetzte Richard Wilhelm 1911/12 "Das wahre Buch vom südlichen Blütenland" (Nan Hua Zhen Jing) ins Deutsche. Tief im Christentum verwurzelt, gelang ihm eine dem christlichem Gedankengut etwas zu nahe stehende Übersetzung, anhand derer sich Dschuang Dsis "Lehre des Weges" mitunter nur im konkreten Vergleich unterschiedlicher Übersetzungen nachvollziehen lässt. Viele Schlüsselworte besitzen kein Äquivalent im Deutschen, andere Übersetzungen greift Wilhelm scheinbar instinktiv aus seiner ihm naheliegenden christlichen Gedankenwelt und Mystik und verdirbt so den eigentlichen Sinn.