Der Wissende redet nicht

Wer weiß, redet nicht
wer redet, weiß nicht

Lao Tse - Vom Schweigen
(aus: Tao Te King, Abschnitt 56)

Der Daoismus nach Dschuang Dsi (Zhuangzi) ist keine Lehre; das Wissen und Verständnis kann nicht im eigentlichen Sinn vermittelt werden, es gibt keine Lehrer und Meister denen man nacheifern kann. Allenfalls gibt es Menschen des Lebens wie Wang Tai - welche keine Reden führen, keine Regeln erstellen und keine Wochenend-Seminare anbieten.

Das Verständnis des Daoismus ist etwas, was sich von selbst entwickelt - wenn man es zuläßt, wenn man Raum in sich geschaffen hat und die eigenen Überzeugungen und Lehren losgelassen hat (s.a. "Den Sinn erlangen").

Doch wie fängt man es an? Wenn niemand darüber redet....

Glücklicherweise reden eine erkleckliche Anzahl Unwissender und erfrischend wenig weiser Personen, schwadronieren und sabbeln sich besoffen an ihrer Auffassung, Auslegung von dem was Dao nun wirklich ist.

Dschuang Dsi (Zhuangzi) stellt klar, dass keinesfalls die Erleuchtung aus sich selbst entstammt, also sui generis ist, sondern immer entsteht aus der Erkenntnis, dass die gewonnenen Ansichten und erarbeiteten Einsichten nur Produkte sind. Und dieses Irren ist genauso unvermeidlich wie nötig:

Wer sich zur Ordnung bekennt und nichts von der Verwirrung weiß, der hat noch nicht die Gesetze des Himmels und der Erde und die Verhältnisse der Welt durchschaut. Das ist, wie wenn man sich an den Himmel halten und nichts von der Erde wissen wollte.

Dschuang Dsi - Werte (aus: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland)

Doch mit den nahezu unbeschränkten Möglichkeiten des Internets, mit dem hier lagernden Heer der Schwätzer und Hohlköpfe könnten wir mehrere Lebensspannen damit verbringen, allein ihre Dummheit zu kartographieren. Das Wissens ist unendlich, das Unwissen übersteigt es aber noch.

Gier auf Neues

Wenig hilfreich ist der Versuch, die Gedankenwelt ergründen zu wollen, selbst in dem Vorhaben die eigene gewonnene Gedankenwelt reflektieren zu wollen. Letztlich ist das eine selbstverliebte Spielerei, mit der man seinen Geist zu bekränzen sucht. Es hat auch keinen Wert für die eigene Entwicklung - wer im Leben steht, bedarf dessen nicht, das Leben selbst bringt alles an einen heran, was man braucht, um sich zu entwickeln, seine Kreise zu vollenden. Wer im Leben steht, kommt gar nicht auf solche Ideen, mit derlei Spielchen lenkt man sich nur von den eigentlichen Herausforderungen und Anforderungen ab.